08.02.2020 - Die grelle Mittagssonne meiden?

Als Fotograf sollte man die Mittagssonne meiden, da unter anderem bei "optimaler" Belichtung durch das grelle und harte Licht dunkle Bildteile keine Zeichnung mehr haben und gleichzeitig helle Stellen "ausbrennen". Mit einem einzigem Bild ist der gesamte Dynamikumfang daher nicht zufriedenstellend abzubilden. Wir standen vor der Herausforderung die Brösel Alm im Berghotel Sudelfeld (Das Westerhof Hotel in Bayrischzell) bei schönstem Sonnenschein ohne eine einzige Wolke am Himmel zur Mittagszeit mit vielen Gästen auf der Terrasse zu fotografieren. Aus möglichst verschiedenen Perspektiven sollte das Gebäude einschließlich gefüllter Terrasse abgelichtet werden. Damit wirft die Sonne zwangsläufig ungünstige Schatten ins Bild oder ist selbst ein extrem überstrahlter Teil des Bildes.

Mit Stativ und Belichtungsreihen ließ sich die Aufgabe gut meistern. In mehreren Einzelbildern ist es damit möglich, alle Bildstellen optimal zu belichten. Jedoch war unser Motiv nicht hundertprozentig statisch. Die Besucher auf der Terrasse bewegten sich, so dass bereits zwischen den Einzelbildern der Belichtungsreihe keine absolut deckungsgleichen Bilder mehr entstehen, welche sich bei der Überlagerung als Geisterbilder zeigen.

Um ein insgesamt optimal belichtetes Foto zu erhalten muss nachher mittels Bildbearbeitung das Zusammenrechnen der Einzelfotos erfolgen. Dafür eignet sich neben Adobe Photoshop und Adobe Lightroom Classic auch das Programm Aurora HDR besonders gut. Die Qualität der Ergebnisse und die weiteren Einstellmöglichkeiten überzeugen. In Aurora HDR wählt man beispielsweise vor der automatischen Berechnung welches Bild die Basis zur Vermeidung von Geisterbildern bildet. Das sollte vorzugsweise ein Bild sein, in dem die Belichtung der "bewegten" Stellen schon recht gut ist, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Abschließend erfolgt die finale Bearbeitung bezüglich Ausrichten, Zuschnitt und Retusche für jedes Gesamtbild.

  • "Geht nicht" gibt es nicht
    Mit einer Belichtungsreihe kannst Du alle Bildstellen, verteilt auf mehrere Einzelbilder, optimal belichten. Bei extremen Helligkeitsunterschieden reicht eine 3er Belichtungsreihe (EV±1) möglicherweise nicht aus. Prüfe daher nach den ersten Aufnahmen die Bilder auf über- bzw. unterbelichtete Stellen auf dem Display Deiner Kamera, aktiviere die Belichtungswarnungen der Kamera, falls vorhanden. Sind immer noch ungenügend belichtete Bereiche vorhanden, verwende eine 5er Belichtungsreihe (EV±1 und EV±2).
  • Verwende ein Stativ
    Auch wenn es für die automatische HDR-Berechnung oft nicht mehr nötig ist das die Einzelbilder hundertprozentig deckungsgleich sein müssen, solltest Du trotzdem insofern es möglich ist ein Stativ verwenden. Damit musst Du nicht 3 bzw. 5 Bilder lang den Fotoapparat ruhig halten. Du kannst mit der Kamera auf dem Stativ in aller Ruhe den Ausschnitt wählen, welcher auch so bleibt und nichts versehentlich abgeschnitten wird. Außerdem können die Bilder aufgrund eventuell erforderlichen längeren Belichtungszeiten nicht verwackeln.
  • Gefahr von Geisterbildern
    Sobald sich "Bewegtes" im Bildausschnitt befindet, sind nicht mehr alle Bilder deckungsgleich. Achte beim Fotografieren, dass bei der optimalen Belichtung des "bewegten" Bildteiles dies in einem günstigen Moment eingefroren wird, da es meist als Referenz zur Vermeidung von Geisterbilden verwendet wird. Warte möglicherweise einen kurzen Moment bis Du auslöst. Wenn Du mit einem Model arbeitest, bitte es für alle Aufnahmen in der Pose innezuhalten.
  • Geeignete Software für HDR-Berechnung (High Dynamic Range)
    Mittlerweile beherrschen zahlreiche Bildbearbeitungsprogramme die automatische Berechnung von HDR-Bildern. Verwende das Programm, das Du gut bedienen kannst und mit dem Du für Dich die besten Ergebnisse erzielst. Neben Adobe Photoshop und Adobe Lightroom Classic ist von Skylum das Programm Aurora HDR eine wirklich leistungsstarke Software für die HDR-Berechnung.
  • Sinnvolle Einstellungen
    ISO 100 bei Verwendung eines Statives und Fernauslöser sichert Dir eine möglichst hohe Bildqualität. Verwende abhängig von den Helligkeitsunterschieden eine 3er oder 5er Belichtungsreihe. Mit einer mittleren Blende (ca. 8-11) sollte eine ausreichende Tiefenschärfe erreicht werden, so dass in der Regel noch keine Abbildungsfehler mit dem verwendeten Objektiv auftreten. Fotografiere außerdem unbedingt im RAW-Format, damit Du in der Nachbearbeitung deutlich größere Reserven hast.